Caffè Crema: Woher das Getränk kommt und warum es gerade boomt

Caffè Crema: Woher das Getränk kommt und warum es gerade boomt

Das italienisch klingende Kaffeegetränk, das Deutschland gerade erobert, kommt aus der Schweiz.

Und die zweite Überraschung: Wenn du morgens am Vollautomaten auf „Kaffee" drückst, trinkst du mit hoher Wahrscheinlichkeit genau dieses Getränk. Die meisten Menschen wissen das nicht.

Kurz eingeordnet

Caffè Crema entstand in den 1980er Jahren in der Schweiz, wo man größere Tassen bevorzugte als in Italien. In der Schweiz ist es unter dem Namen Café Crème oder Schümli das am häufigsten bestellte Kaffeegetränk. Technisch ist es ein Espresso, durch den rund viermal mehr Wasser läuft, bei gleicher Brühzeit. Nach Deutschland kam es nicht über Cafés, sondern über den Vollautomaten, der inzwischen in jedem dritten Haushalt steht.

Ein Schweizer Getränk mit italienischem Namen

Die Geschichte beginnt mit einem Größenkonflikt.

In den 1980er Jahren verbreiteten sich Espressomaschinen über Italien hinaus. In Italien trinkt man daraus Espresso: 25 bis 30 Milliliter, in zwei Schlucken erledigt. In der Schweiz wollte man das nicht. Dort war die größere Tasse Standard, und niemand hatte Lust, sie gegen einen Fingerhut zu tauschen.

Die Lösung war pragmatisch: dieselbe Maschine, dieselbe Menge Kaffee, aber deutlich mehr Wasser durch das Sieb. Das Ergebnis war ein Getränk, das größer war als Espresso, milder, und das trotzdem eine Crema hatte, weil es unter Druck gebrüht wurde.

Und genau darauf bezieht sich der Name. „Crema" meint nicht Sahne, sondern die goldbraune Schaumschicht, die beim Brühen unter Druck entsteht und die Filterkaffee nicht hat. In der Schweiz heißt das Getränk deshalb auch Schümli, also kleiner Schaum.

Bis heute ist der Café Crème das in der Schweiz am häufigsten bestellte Kaffeegetränk. Der italienisch klingende Name ist also eine Art Marketing-Anleihe, keine Herkunftsangabe.

Warum Deutschland es übernommen hat, ohne es zu bemerken

Hier liegt der eigentliche Grund für den Boom, und er hat nichts mit Cafés zu tun.

Der Deutsche Kaffeeverband nennt für 2025 eine Zahl, die alles erklärt: Jeder dritte deutsche Haushalt besitzt einen Vollautomaten. Und die ganze Bohne hat sich als Segment in zehn Jahren um 130 Prozent gesteigert. Wie stark diese Verschiebung ist, steht im Artikel Warum ganze Bohnen boomen.

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Was macht ein Vollautomat, wenn man auf die Taste „Kaffee" drückt?

Er mahlt eine Portion, presst heißes Wasser mit Druck durch und füllt eine große Tasse. Das ist, technisch gesehen, ein Caffè Crema. Nicht Filterkaffee, weil Druck im Spiel ist. Nicht Espresso, weil viel zu viel Wasser durchläuft.

Millionen Menschen in Deutschland trinken also täglich Caffè Crema, ohne dass das Wort in ihrem Wortschatz vorkommt. Der Boom ist deshalb weniger eine Geschmacksentscheidung als eine Folge der Gerätewahl.

Das ist auch der Grund, warum der Begriff auf immer mehr Bohnenpackungen auftaucht. Die Hersteller reagieren darauf, wie die Geräte tatsächlich benutzt werden.

Was es technisch von Espresso unterscheidet

Kompakt, weil die Zahlen praktisch wichtig sind.

  • Espresso: 25 bis 30 ml, Brühzeit 25 bis 30 Sekunden
  • Caffè Crema: 120 bis 180 ml, Brühzeit ebenfalls 25 bis 30 Sekunden, Dosis 16 bis 18 g, Wasser 88 bis 96 °C

Der Mahlgrad liegt zwischen Filter und Espresso, also feiner als für Filterkaffee und gröber als für echten Espresso.

Die Besonderheit steckt im Verhältnis von Zeit zu Menge. Bei gleicher Brühzeit läuft rund viermal mehr Wasser durch dieselbe Menge Kaffee. Das geht nur, wenn der Mahlgrad gröber ist, und es bedeutet gleichzeitig, dass das Wasser sehr viel aus dem Kaffee herausholt.

Genau daraus entsteht die Schwierigkeit des Getränks, und genau deshalb haben wir dem Thema Einstellungen einen eigenen Artikel über Caffè Crema im Vollautomaten gewidmet. Dort stehen die konkreten Werte und die Reihenfolge, in der man sie ändert.

„Caffè Crema" auf der Packung: was das bedeutet und was nicht

Ein Punkt, der beim Einkauf tatsächlich hilft.

Wenn auf einer Bohnenpackung „Caffè Crema" steht, ist das eine Verwendungsempfehlung, keine geschützte Angabe. Es sagt dir:

  • Was es sagt: Diese Bohnen sind für die Zubereitung mit viel Wasser unter Druck gedacht, typischerweise für den Vollautomaten.
  • Was es nicht sagt: nichts über die Herkunft, nichts über die Varietät, nichts über den Röstgrad und nichts über die Qualität.

Praktisch bedeutet das: „Caffè Crema" ist kein Ersatz für die Angaben, die wirklich etwas aussagen. Anbauregion, Höhenlage, Aufbereitung und Röstdatum bleiben die Kriterien, an denen du eine Packung beurteilst.

Was sich hinter der Bezeichnung häufig verbirgt, sind mittlere bis mittelkräftige Röstungen, oft als Mischung, teilweise mit Robusta-Anteil für mehr Crema und Körper. Beides ist legitim, man sollte es nur wissen. Was Arabica und Robusta unterscheidet, steht im Vergleich der beiden Arten.

Warum Puristen das Getränk kritisch sehen

Ehrlichkeitshalber gehört dieser Teil dazu.

In der Specialty-Szene hat Caffè Crema keinen guten Ruf. Der Vorwurf: Wer viermal so viel Wasser durch dieselbe Menge Kaffee laufen lässt, holt am Ende auch die Stoffe heraus, die man besser im Kaffee gelassen hätte. Das Ergebnis sei überextrahiert und bitter.

An dem Vorwurf ist etwas dran, aber er trifft nicht das Getränk, sondern die Standardeinstellung.

Ein Caffè Crema wird bitter, wenn der Mahlgrad zu fein ist, die Kaffeemenge zu niedrig oder die Temperatur zu hoch. Und genau diese drei Werte sind bei vielen Geräten ab Werk nicht gut eingestellt. Wer dann eine große Tasse zieht, bekommt bestätigt, was die Puristen behaupten.

Richtig eingestellt ist Caffè Crema ein eigenständiges Getränk mit einem klaren Platz: mehr Körper und mehr Crema als Filterkaffee, milder und trinkbarer über eine große Tasse als Espresso.

Die faire Zusammenfassung: Das Getränk ist nicht das Problem. Die Werkseinstellung ist es.

Was das für die Bohnenwahl heißt

Drei Punkte, die aus der Technik folgen.

  1. Mittlere Röstung ist die verlässlichste Wahl. Dunkle Röstungen bringen schon von sich aus Bitterkeit mit, und die lange Wasserdurchflussmenge verstärkt sie. Was die Röstgrade unterscheidet, steht im Artikel über helle, mittlere und dunkle Röstungen.
  2. Nicht zu ölige Bohnen. Stark geölte Oberflächen können im Mahlwerk verkleben, und in einem Vollautomaten ist das ein Wartungsthema.
  3. Ein Profil, das Verdünnung verträgt. Kaffees mit klarer Struktur, etwa gewaschene Kolumbianer, bleiben auch in der großen Tasse erkennbar. Was gewaschene Aufbereitung bedeutet, haben wir separat beschrieben.

Häufige Fragen

Woher kommt Caffè Crema?

Aus der Schweiz, wo das Getränk in den 1980er Jahren entstand, weil man dort größere Tassen bevorzugte als in Italien. Es ist dort als Café Crème oder Schümli bekannt und das am häufigsten bestellte Kaffeegetränk.

Ist Caffè Crema ein italienisches Getränk?

Nein, nur der Name klingt italienisch. Entstanden ist es in der Schweiz mit italienischer Technik, nämlich der Espressomaschine.

Was bedeutet „Crema" im Namen?

Die goldbraune Schaumschicht, die beim Brühen unter Druck entsteht. Sahne ist nicht gemeint. Der Schweizer Zweitname Schümli bedeutet entsprechend kleiner Schaum.

Was ist der Unterschied zwischen Caffè Crema und Americano?

Beim Caffè Crema läuft mehr Wasser während der Extraktion durch den Kaffee. Beim Americano wird ein fertiger Espresso nachträglich mit heißem Wasser verlängert, weshalb die Crema dort fehlt. Der ausführliche Vergleich mit Lungo und Filterkaffee steht in unserem Artikel zu den Einstellungen.

Bedeutet „Caffè Crema" auf der Packung eine besondere Qualität?

Nein. Es ist eine Verwendungsempfehlung für die Zubereitung mit viel Wasser unter Druck und sagt nichts über Herkunft, Varietät, Röstgrad oder Qualität aus.

Warum schmeckt mein Caffè Crema bitter?

Meist weil der Mahlgrad zu fein, die Kaffeemenge zu gering oder die Brühtemperatur zu hoch ist. Bei einem Getränk, durch das viermal mehr Wasser läuft als beim Espresso, wirken diese Fehler besonders stark.

Wenn du Caffè Crema trinkst und ihn weniger bitter möchtest: Unser Arhuaco Native Coffee ist eine mittlere Röstung aus 100 % Arabica, gewaschen und mit klarer Struktur, also genau das Profil, das eine große Tasse verträgt.

Quellen & weiterführende Informationen

  • 19grams, Kaffeelexikon: Café Crème – Entstehung in der Schweiz in den 1980er Jahren, Zweitname Schümli, Definition als Espresso mit deutlich mehr Wasser, Bedeutung der Crema
  • Blum Kaffee (Schweiz), Die Schweizer Eigenart des Café Crème – Einordnung als das in der Schweiz am häufigsten bestellte Kaffeegetränk, Bedeutung des Namens, mindestens viermal mehr Wasser durch dieselbe Kaffeemenge
  • AMORI Coffee, Caffè Crema zwischen Espresso und Filterkaffee – Tassenvolumen 120 bis 180 ml, Dosis 16 bis 18 g, Wassertemperatur 88 bis 96 °C, Extraktionszeit 25 bis 30 Sekunden, Mahlgrad zwischen Filter und Espresso, Abgrenzung zu Espresso, Lungo und Americano
  • Deutscher Kaffeeverband, Pressemitteilung vom 2. April 2026 zum deutschen Kaffeemarkt 2025 – Verbreitung von Vollautomaten in jedem dritten Haushalt, Wachstum des Segments ganze Bohne um 130 Prozent in zehn Jahren