Caffè Crema aus dem Vollautomaten: Die richtigen Einstellungen

Caffè Crema aus dem Vollautomaten: Die richtigen Einstellungen

Caffè Crema ist kein verdünnter Espresso. Das ist der Grund, warum er im Vollautomaten so oft misslingt.

Bei einem Americano gießt jemand heißes Wasser zu einem fertigen Espresso. Beim Caffè Crema läuft die gesamte Wassermenge durch das Kaffeemehl. Jeder einzelne Milliliter holt also noch etwas heraus.

Und wenn 150 Milliliter Wasser durch die Kaffeemenge eines Espresso müssen, holen die letzten Milliliter vor allem eines heraus: Bitterstoffe.

Die Zielwerte vorweg

Für einen guten Caffè Crema aus dem Vollautomaten: Füllmenge 120 bis 180 ml, Kaffeestärke möglichst hoch, Mahlgrad etwas gröber als für Espresso, Brühtemperatur eher am unteren Ende, und eine mittlere Röstung aus 100 % Arabica. Der häufigste Fehler ist viel Wasser bei zu wenig Kaffee.

Was Caffè Crema eigentlich ist

Der Begriff hat zwei Bedeutungen, was für einiges an Verwirrung sorgt.

Historisch prägte Gaggia den Ausdruck 1948 für das, was wir heute Espresso nennen. Damals war die Crema das Neue an der Maschine.

Heute meint Caffè Crema einen langen Kaffee, der sich seit den 1980er Jahren in der Schweiz, Österreich, Deutschland und Norditalien verbreitet hat. In der Schweiz ist er als Schümli bekannt.

Entscheidend ist die Zubereitung: Er wird mit Druck durch das Kaffeemehl gebrüht, so wie ein Espresso, nur mit deutlich mehr Wasser und gröberem Mahlgrad. Geschmacklich liegt er ungefähr zwischen einem Lungo und einem Filterkaffee.

Caffè Crema, Lungo, Americano und Filterkaffee

Diese vier werden ständig verwechselt. Der Unterschied liegt nicht in der Tassengröße, sondern in der Methode.

  • Lungo: Espresso mit etwa der doppelten Wassermenge durchgelaufen, rund 60 bis 80 ml. Kräftig und oft am bittersten von allen.
  • Caffè Crema: Die gesamte Wassermenge läuft durchs Kaffeemehl, rund 120 bis 180 ml, gröberer Mahlgrad. Als grobes Mengenverhältnis gilt Ristretto zu Espresso zu Lungo zu Caffè Crema etwa wie 1 zu 2 zu 3 zu 6.
  • Americano: Ein fertiger Espresso wird mit heißem Wasser verdünnt. Die Extraktion bleibt die eines Espresso.
  • Filterkaffee: Ohne Druck, mit grobem Mahlgrad und vier bis sechs Minuten Kontaktzeit. Die klarste und leichteste Tasse.

Merksatz: Americano wird verdünnt, Caffè Crema wird durchgebrüht.

Daraus folgt alles Weitere. Beim Americano kannst du die Extraktion nicht verderben, indem du mehr Wasser nimmst. Beim Caffè Crema schon.

Warum Caffè Crema im Vollautomaten schwierig ist

Der Zielkorridor für eine gute Extraktion liegt laut Specialty Coffee Association zwischen 18 und 22 Prozent der eingesetzten Kaffeemenge. Darunter wird es sauer und dünn, darüber kippt es ins Bittere.

Beim Caffè Crema läuft sehr viel Wasser durch sehr wenig Kaffee. Die ersten Milliliter lösen Säuren und Süße, die mittleren die runden Noten, und die letzten holen aus einem längst erschöpften Kaffeemehl nur noch heraus, was übrig ist.

Das erklärt den typischen Fehlgeschmack, den viele beschreiben: dünn und bitter gleichzeitig. Das klingt widersprüchlich, ist aber genau das Symptom.

Die Lösung ist nicht weniger Wasser, sondern mehr Kaffee.

Die richtigen Einstellungen

Wenn du dein Gerät noch gar nicht angefasst hast, lohnt sich vorher die Grundeinstellung in fünf Schritten. Hier geht es nur um die Werte für dieses eine Getränk.

Füllmenge: 120 bis 180 ml

Fang bei 120 ml an, nicht bei 180.

Viele empfinden 150 ml als guten Kompromiss zwischen Tassengefühl und Geschmack. Wer mehr will, muss die Kaffeemenge mitziehen, sonst kippt es.

Kaffeestärke: so hoch wie sinnvoll möglich

Das ist die wichtigste Stellschraube beim Caffè Crema.

Die meisten Vollautomaten mahlen zwischen 7 und 12 Gramm pro Bezug. Für 150 ml wären nach der SCA-Orientierung von rund 55 Gramm pro Liter etwa 8 Gramm nötig, für 180 ml knapp 10.

Viele Geräte laufen ab Werk bei 7 oder 8 Gramm, auch wenn 180 ml eingestellt sind. Genau da entsteht das Problem.

Stell die Kaffeestärke also auf die höchste oder zweithöchste Stufe und arbeite dich von dort nach unten, falls es zu kräftig wird.

Mahlgrad: etwas gröber als für Espresso

Beim Espresso pressen 25 bis 30 Sekunden wenig Wasser durch feines Pulver. Beim Caffè Crema muss die fünf- bis sechsfache Menge durch, ohne dass es ewig dauert.

Zu fein bedeutet hier: langsamer Durchlauf, Überextraktion, Bitterkeit. Eine bis zwei Stufen gröber als deine Espresso-Einstellung sind der Startpunkt.

Wenn dein Gerät nur einen Mahlgrad für alle Getränke hat, stell ihn auf das Getränk ein, das du am häufigsten trinkst. Bei überwiegend Caffè Crema heißt das: etwas gröber als du für Espresso wählen würdest.

Und die Sicherheitsregel bleibt: nur verstellen, während das Mahlwerk läuft.

Brühtemperatur: eher am unteren Ende

Falls dein Gerät die Einstellung hat, ist der Caffè Crema das Getränk, bei dem eine niedrigere Stufe am meisten bringt.

Die SCA empfiehlt rund 93 °C plus/minus 3 °C. Bei viel Wasser und langem Kontakt verstärkt hohe Temperatur die Bitterkeit zusätzlich. Eine Stufe niedriger als beim Espresso ist ein guter Ausgangspunkt.

Die Bohne

Mittlere Röstung, 100 % Arabica, matt statt ölig glänzend.

Der Grund ist derselbe wie oben: Die große Wassermenge lässt Bitterkeit stärker hervortreten als bei jedem anderen Getränk aus dem Gerät. Was im Espresso noch als kräftig durchgeht, wirkt im Caffè Crema hart.

Unser Arhuaco Native Coffee passt in dieses Raster: 100 % Arabica aus Kolumbien, mittlere Röstung, Noten von Schokolade, Karamell und Mandel. Welche Merkmale sonst noch zählen, steht in unserem Artikel über Bohnen für Vollautomaten.

Der Testlauf in vier Tassen

So kommst du in einer Viertelstunde zu einem brauchbaren Ergebnis:

  1. Tasse 1, Referenz: Aktuelle Einstellung, 120 ml, bewusst schwarz trinken. Notier dir, was dich stört.
  2. Tasse 2, Kaffeestärke hoch: Nur diese eine Einstellung ändern. Meistens ist der Unterschied schon hier deutlich.
  3. Tasse 3, Mahlgrad anpassen: Bitter und langsam → eine Stufe gröber. Dünn und schnell → eine Stufe feiner. Danach zwei bis drei Bezüge abwarten.
  4. Tasse 4, Füllmenge feinjustieren: Erst jetzt auf die Menge gehen, die du eigentlich trinken willst.

Wenn Tasse 4 gut ist, notier dir die Werte. Beim nächsten Bohnenwechsel weißt du, wo du herkamst.

Häufige Fehler

  • Viel Wasser, wenig Kaffee. Der Klassiker und Ursache für fast alle Beschwerden.
  • Espresso-Mahlgrad beibehalten. Führt zu langsamem Durchlauf und Bitterkeit.
  • Zu dunkle Bohne. Was als Espresso funktioniert, kann als Caffè Crema hart werden.
  • Zwei Bezüge in dieselbe Tasse. Der zweite Bezug ist kein längerer Kaffee, sondern ein zweiter Kaffee. Besser die Füllmenge korrekt einstellen.
  • Mit einer großen Tasse anfangen. Fang klein an und geh hoch, nicht umgekehrt.

Häufige Fragen

Wie viel ml hat ein Caffè Crema?

Üblich sind 120 bis 180 ml, teilweise bis 240 ml. Für den Geschmack gilt: Je mehr Wasser, desto mehr Kaffee muss dafür gemahlen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Caffè Crema und Lungo?

Beim Lungo läuft etwa die doppelte Espressomenge Wasser durch, rund 60 bis 80 ml. Der Caffè Crema ist deutlich länger und wird gröber gemahlen, was ihn weicher macht. Ein Lungo ist häufig der bitterste der beiden.

Warum schmeckt mein Caffè Crema wässrig?

Fast immer, weil zu wenig Kaffee für zu viel Wasser gemahlen wird. Erhöhe zuerst die Kaffeestärke, bevor du am Mahlgrad drehst.

Warum hat mein Caffè Crema kaum Crema?

Möglich sind ein zu grober Mahlgrad, alte Bohnen ohne Restkohlendioxid, oder schlicht 100 % Arabica, der von Natur aus eine feinere und kurzlebigere Crema bildet als Mischungen mit Robusta.

Kann ich für Caffè Crema dieselben Bohnen nehmen wie für Espresso?

Ja, aber das Ergebnis fällt oft kräftiger aus, als du es möchtest. Weil die große Wassermenge Bitterkeit betont, funktioniert eine mittlere Röstung hier meist besser als eine dunkle Espressoröstung.

Caffè Crema verzeiht wenig, deshalb lohnt sich hier eine mittlere Röstung aus 100 % Arabica besonders. Unseren Arhuaco Native Coffee gibt es als 250 g zum Ausprobieren.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Specialty Coffee Association: Golden Cup Standard (Brühverhältnis, Extraktionsausbeute, Brühtemperatur) – sca.coffee
  • Wikipedia: Caffè crema – Begriffsgeschichte, Verbreitung seit den 1980er Jahren, Mengenverhältnisse und Abgrenzung zum Americano