Eine Tasse Filterkaffee enthält mehr Koffein als ein Espresso.
Das überrascht die meisten Leute, und es ist der harmloseste Irrtum auf dieser Liste.
Kaffee-Wissen wird nämlich selten nachgeschlagen. Es wird weitergesagt, meistens in der Küche, meistens von jemandem, der es auch nur gehört hat. Hier sind zehn Behauptungen, die dir garantiert schon begegnet sind, mit einer klaren Antwort und einer kurzen Begründung.
Vier der zehn stimmen nicht einmal ansatzweise
Falsch sind: Espresso hat mehr Koffein als Filterkaffee. Kaffee entzieht dem Körper Wasser. Entkoffeinierter Kaffee enthält kein Koffein. Kaffee macht nüchtern. Die anderen sechs sind teilweise richtig, aber anders, als die meisten denken.
Mythos 1: Espresso hat mehr Koffein als Filterkaffee
Falsch, wenn man Tassen vergleicht. Richtig, wenn man Milliliter vergleicht.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung rechnet mit folgenden Werten:
- Filterkaffee, 200 ml: rund 90 mg Koffein
- Espresso, 60 ml: rund 80 mg Koffein
Pro Tasse liegt der Filterkaffee also vorn, weil einfach mehr drin ist. Pro Milliliter ist der Espresso deutlich konzentrierter.
Der Grund liegt in der Kontaktzeit: Beim Espresso läuft das Wasser in etwa 25 Sekunden durch, beim Filter dauert es Minuten. Länger heißt mehr gelöst, auch mehr Koffein.
Praktisch heißt das: Wenn du nachmittags auf Koffein achtest, ist ein Espresso die bessere Wahl als eine große Tasse Filterkaffee.
Mythos 2: Kaffee entzieht dem Körper Wasser
Falsch.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zählt Kaffee ausdrücklich zur Flüssigkeitszufuhr, ebenso schwarzen und grünen Tee. Die Empfehlung für Erwachsene liegt bei mindestens 1,5 Litern am Tag, und Kaffee darf dabei mitgerechnet werden.
Koffein wirkt kurzfristig leicht harntreibend. Das gleicht sich aber über den Tag aus, sodass die Bilanz sich kaum von der bei Wasser unterscheidet.
Das Glas Wasser zum Espresso ist trotzdem eine gute Idee, nur nicht aus dem Grund, den alle nennen. Es spült den Mund und macht den nächsten Schluck klarer.
Mythos 3: Dunkle Röstungen sind stärker und haben mehr Koffein
Falsch, jedenfalls beim Koffein.
Koffein ist hitzestabil. Der Röstgrad verschiebt den Gehalt nur wenig. Was sich stark ändert, ist der Geschmack: Dunkle Röstungen schmecken kräftiger und bitterer, und das wird als „stärker" wahrgenommen.
Was den Koffeingehalt wirklich bestimmt:
- Die Art. Robusta enthält mehr Koffein als Arabica, allerdings nicht pauschal doppelt so viel, wie oft behauptet wird.
- Die Menge. Wie viel Kaffee du für die Tasse nimmst.
- Die Zubereitung. Siehe Mythos 1.
Wer wissen will, was sich beim Rösten tatsächlich ändert, findet das im Artikel über helle, mittlere und dunkle Röstungen. Und die Unterschiede zwischen den Arten stehen im Vergleich von Arabica und Robusta.
Mythos 4: Glänzende Bohnen sind besonders frisch
Falsch. Der Glanz sagt etwas über die Röstung, nicht über das Alter.
Beim Rösten werden Öle aus dem Inneren der Bohne an die Oberfläche gedrückt. Je dunkler und länger geröstet wird, desto mehr Öl tritt aus. Ein starker Glanz ist deshalb vor allem ein Hinweis auf eine dunkle Röstung.
Was du stattdessen prüfen solltest: das Röstdatum auf der Packung. Steht dort nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum, sagt das über die Frische wenig aus. Mehr dazu im Artikel über Kaffeefrische.
Mythos 5: Kaffee gehört in den Kühlschrank
Falsch, und zwar mit Ansage.
Der Kühlschrank ist feucht und riecht. Beides ist schlecht für Kaffee. Dazu kommt Kondenswasser, sobald die Packung herausgenommen wird.
Die kurze Regel: kühl, trocken, dunkel, luftdicht, aber nicht im Kühlschrank. Die ausführliche Version samt der Frage, warum das Gefrierfach ein Sonderfall ist, steht im Artikel Kaffee im Kühlschrank lagern.
Mythos 6: Entkoffeinierter Kaffee enthält kein Koffein
Falsch. Er enthält wenig, nicht nichts.
In der EU darf Kaffee als entkoffeiniert bezeichnet werden, wenn der Restgehalt an Koffein unter 0,1 Prozent liegt. Das ist ein Grenzwert, keine Null.
In der Praxis bleibt pro Tasse meist eine sehr kleine Menge übrig. Für die allermeisten Menschen ist das ohne Bedeutung. Wer aus einem konkreten gesundheitlichen Grund Koffein meiden soll, sollte das aber wissen und im Zweifel ärztlich klären lassen.
Mythos 7: Arabica ist immer besser als Robusta
Teilweise richtig, aber zu pauschal.
Arabica hat mehr Säure, mehr Aromenvielfalt und weniger Bitterkeit. Deshalb kommt hochwertiger Kaffee überwiegend aus Arabica, und deshalb steht „100 % Arabica" so oft auf Packungen.
Trotzdem gilt: Ein sorgfältig angebauter und verarbeiteter Robusta schlägt einen lieblos produzierten Arabica. Die Art setzt den Rahmen, sie entscheidet nicht allein. Dasselbe haben wir beim Vergleich der Varietäten Castillo und Caturra gesehen: Anbauhöhe, Ernte und Verarbeitung wiegen oft schwerer.
Mythos 8: Kaffee macht nüchtern
Falsch, und das ist der gefährlichste Punkt auf dieser Liste.
Koffein wirkt der Müdigkeit entgegen. Es senkt aber den Alkoholgehalt im Blut nicht und stellt weder Reaktionsvermögen noch Urteilsfähigkeit wieder her.
Das Ergebnis ist eine wache Person, die genauso beeinträchtigt ist wie vorher, sich aber fitter fühlt. Genau diese Kombination macht den Irrtum riskant.
Nüchtern wird man nur durch Zeit.
Mythos 9: Koffein wirkt sofort
Falsch, aber knapp daneben.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt an, dass die anregende Wirkung 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr einsetzen und mehrere Stunden anhalten kann.
Der Effekt direkt nach dem ersten Schluck ist also eher Wärme, Geruch und Gewohnheit als Pharmakologie. Wer Koffein gezielt nutzen will, trinkt es entsprechend eine halbe Stunde vorher, nicht mittendrin.
Der zweite Teil ist der praktisch wichtigere: mehrere Stunden. Der Nachmittagskaffee wirkt bei vielen Menschen bis in den Abend.
Mythos 10: Mehr als vier Tassen am Tag sind ungesund
So pauschal nicht haltbar, aber es gibt Richtwerte.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt, gestützt auf die Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, folgende Mengen für gesunde Erwachsene:
- bis zu 200 mg Koffein als Einzeldosis oder innerhalb kurzer Zeit, das entspricht etwa 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht
- bis zu 400 mg Koffein über den Tag verteilt
- bis zu 200 mg pro Tag in Schwangerschaft und Stillzeit
Mit den Werten aus Mythos 1 umgerechnet: 400 mg entsprechen etwa vier bis fünf Tassen Filterkaffee à 200 ml. Die verbreitete Zahl „vier Tassen" liegt also nicht falsch, sie ist nur keine Grenze zwischen gesund und ungesund, sondern ein Richtwert aus einer Sicherheitsbewertung.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Koffein steckt auch in Tee, Cola, Energydrinks und Schokolade, das zählt mit. Und individuelle Verträglichkeit unterscheidet sich stark. Wer Beschwerden bemerkt, Medikamente nimmt oder eine bestehende Erkrankung hat, klärt die passende Menge am besten ärztlich ab. Dieser Artikel ersetzt das nicht.
Bonus: der elfte Mythos, den wir nicht mitzählen
„Ein Löffel Kaffee ist eine feste Menge."
Ein Löffel gemahlener Kaffee wiegt je nach Mahlgrad und Druck zwischen etwa 5 und 9 Gramm. Diese Streuung erklärt mehr schwankende Tassen als alle anderen Punkte auf dieser Liste zusammen.
Die Lösung kostet wenig und steht in unserer Anleitung für Filterkaffee: eine Küchenwaage.
Häufige Fragen
Hat Espresso mehr Koffein als Filterkaffee?
Pro Tasse nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rechnet mit rund 90 mg für 200 ml Filterkaffee und rund 80 mg für einen Espresso mit 60 ml. Pro Milliliter ist der Espresso deutlich konzentrierter.
Entzieht Kaffee dem Körper Wasser?
Nein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zählt Kaffee zur Flüssigkeitszufuhr. Die leicht harntreibende Wirkung gleicht sich über den Tag aus.
Wie viel Koffein am Tag ist unbedenklich?
Für gesunde Erwachsene gelten bis zu 400 mg über den Tag verteilt und bis zu 200 mg als Einzeldosis als unbedenklich, in Schwangerschaft und Stillzeit bis zu 200 mg pro Tag. Das sind Richtwerte aus einer Sicherheitsbewertung, keine individuelle Empfehlung.
Wie viel Koffein ist in entkoffeiniertem Kaffee?
Wenig, aber nicht null. In der EU darf Kaffee als entkoffeiniert bezeichnet werden, wenn der Restgehalt unter 0,1 Prozent liegt.
Haben dunkle Röstungen mehr Koffein?
Nein, der Unterschied ist gering. Koffein ist hitzestabil. Dunkle Röstungen schmecken kräftiger, was oft mit einem höheren Koffeingehalt verwechselt wird.
Wie lange wirkt Kaffee?
Die anregende Wirkung setzt laut Bundesinstitut für Risikobewertung nach 15 bis 30 Minuten ein und kann mehrere Stunden anhalten. Deshalb wirkt ein Kaffee am späten Nachmittag bei vielen Menschen noch am Abend.
Wenn du beim nächsten Einkauf auf das Röstdatum statt auf den Bohnenglanz achten willst: Unser Arhuaco Native Coffee ist eine mittlere Röstung aus 100 % Arabica, als ganze Bohne in 250 g und 500 g.
Quellen & weiterführende Informationen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln – Koffeingehalt von Filterkaffee und Espresso, unbedenkliche Mengen von 200 mg als Einzeldosis und 400 mg pro Tag für gesunde Erwachsene, 200 mg pro Tag in Schwangerschaft und Stillzeit, Wirkungseintritt nach 15 bis 30 Minuten
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Landesverband Niedersachsen, Warum wir ausreichend trinken sollten – Empfehlung von mindestens 1,5 Litern täglich, Einordnung von Kaffee als Teil der Flüssigkeitszufuhr
- Lebensmittellexikon, Eintrag Entkoffeinierter Kaffee – Grenzwert von 0,1 Prozent Restkoffein für die Bezeichnung „entkoffeiniert" in der EU