Können Kaffeebohnen schimmeln? Was wirklich passiert

Können Kaffeebohnen schimmeln? Was wirklich passiert

Ja, Kaffeebohnen können schimmeln.

In einem trockenen Küchenschrank passiert es aber praktisch nie. Der Grund dafür ist eine einzige Zahl.

Die Antwort mit einer Zahl

Schimmel braucht Wasser. Unterhalb einer Wasseraktivität von etwa 0,61 wachsen Schimmelpilze und Hefen nicht mehr, und die trockenheitsverträglichsten Arten kommen mit Werten zwischen 0,65 und 0,75 gerade noch zurecht. Ein Merkblatt der Kansas State University nennt außerdem einen Bereich, in dem überhaupt nichts mehr wächst: bei einer Wasseraktivität von 0,50 und darunter findet kein mikrobielles Wachstum statt.

Geröstete Kaffeebohnen liegen weit unter diesen Werten. Beim Rösten verdampft der größte Teil des restlichen Wassers. Deshalb altert Kaffee im Schrank, aber er verdirbt nicht im Sinne von Verschimmeln.

Wo das Risiko tatsächlich liegt

Die Frage nach Schimmel im Kaffee wird meist an der falschen Stelle gestellt. Interessant ist nicht dein Schrank, sondern die Zeit davor.

Rohkaffee ist eine getrocknete Frucht, und wie gut er getrocknet wurde, entscheidet alles. Die Leitlinien der European Coffee Federation nennen für sicher gelagerten Rohkaffee einen Feuchtegehalt zwischen 8 und 12,5 Prozent. In derselben Leitlinie steht der entscheidende Satz: Feuchtigkeit ist nach der ersten Verarbeitungsstufe der wichtigste Risikofaktor.

Kritisch sind also Ernte, Trocknung, Lagerung und Transport. Ein Sack, der feucht verschifft wird, ist das Problem. Die Packung in deiner Küche ist es nicht.

Ochratoxin A, sachlich

Wer zu diesem Thema recherchiert, landet schnell bei Ochratoxin A. Das ist ein Stoffwechselprodukt bestimmter Schimmelpilze, und es ist der Grund, warum Rohkaffee überhaupt so streng auf Feuchte kontrolliert wird.

Drei belegte Punkte dazu:

  • Es gibt einen gesetzlichen Höchstgehalt. Für gerösteten und gemahlenen Kaffee liegt er bei 3,0 Mikrogramm pro Kilogramm, geregelt in der Verordnung (EU) 2023/915 und gültig seit Januar 2023.
  • Rösten baut den Stoff weitgehend ab. Die Leitlinien der European Coffee Federation nennen bei Temperaturen über 180 Grad, wie sie beim Kaffeerösten üblich sind, Verluste von 70 bis über 90 Prozent.
  • Deutsche Messungen finden keine Überschreitungen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte 2022 insgesamt 63 Kaffeeproben: 26 Röstkaffees, 19 Pads und Kapseln, 18 löslicher Kaffee. In 59 Prozent der Proben war Ochratoxin A nicht nachweisbar. Kein einziges Ergebnis lag über dem Höchstgehalt.

Das ist die Datenlage, und mehr behaupten wir nicht. Wenn du eine gesundheitliche Frage zu diesem Thema hast, ist das eine Frage für deine Ärztin oder deinen Arzt, nicht für einen Kaffeeblog.

Die vier Situationen, in denen es zuhause doch passiert

Weil die Antwort „praktisch nie" nicht „nie" heißt. In allen vier Fällen kommt Wasser dazu, das nicht dazugehört.

  1. Die feuchte Schaufel. Ein Löffel, der noch nass vom Abspülen ist, bringt genau die Feuchtigkeit in die Packung, die vorher gefehlt hat. Trocken abtrocknen, dann eintauchen.
  2. Kondenswasser aus Kühlschrank oder Gefrierfach. Kalte Bohnen, die an warme Raumluft kommen, beschlagen. Die ganze Frage dazu steht im Artikel über Kaffee im Kühlschrank.
  3. Der feuchte Aufbewahrungsort. Ein Keller, eine Speisekammer mit Feuchteproblem, ein Schrank neben dem Wasserkocher. Was Kaffee stattdessen braucht, steht in den fünf Lagerregeln.
  4. Die Maschine, nicht die Bohne. Tropfschale, Kaffeesatzbehälter und Milchleitung sind warm und feucht, und dort können sich tatsächlich Ablagerungen bilden. Das ist ein Reinigungsthema und im Artikel über den Vollautomaten behandelt.

Woran du es erkennst

Klare Zeichen, in der Reihenfolge, in der sie auffallen:

  • Muffiger, erdiger oder kellerartiger Geruch. Der deutlichste Hinweis, und er kommt meist, bevor man etwas sieht.
  • Ein weißlicher oder grünlicher Flaum, meist an einzelnen Bohnen zuerst.
  • Verklebte Klumpen, die sich nicht durch Öl erklären lassen.

Wenn eines davon zutrifft: wegwerfen, nicht retten. Abspülen, Aussortieren oder Nachrösten sind keine Lösungen, und der finanzielle Schaden einer Packung ist überschaubar.

Nicht dazu gehört ein leichter Fettglanz auf dunkel gerösteten Bohnen. Der ist normal und hat mit Schimmel nichts zu tun.

Was viel häufiger passiert als Schimmel

In den allermeisten Fällen, in denen Kaffee „schlecht" ist, ist er nicht verschimmelt, sondern ranzig. Und das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Schimmel ist ein lebender Organismus und braucht Wasser. Ranzigkeit ist eine chemische Reaktion und braucht Sauerstoff. Die Literaturübersicht der Specialty Coffee Association zum Altern von Röstkaffee ist da deutlich: Ranzigkeit entsteht durch den Abbau der Fette in der Bohne, Sauerstoff ist der Hauptfaktor, und pro Prozentpunkt mehr Sauerstoff steigt die Abbaurate um etwa zehn Prozent. Trainierte Prüfer erkannten Ranzigkeit in Kaffee, der in Luft verpackt war, nach vier Monaten.

Das erklärt den Alltag: Der Kaffee schmeckt flach, pappig und stumpf, sieht aber völlig normal aus. Wie lange Bohnen tatsächlich gut bleiben, steht im Artikel über Kaffeefrische.

Was wir nicht behaupten

Ein Hinweis, weil dieses Thema gern für Werbung benutzt wird.

Es gibt Anbieter, die mit Begriffen wie „schimmelfrei" oder „mykotoxingeprüft" arbeiten. Wir machen das nicht. Wir lassen unseren Kaffee nicht auf Ochratoxin A prüfen und können deshalb auch nichts dazu behaupten.

Was wir sagen können: Unser Kaffee wird gewaschen aufbereitet, anschließend sonnengetrocknet und in Deutschland geröstet. Und die Datenlage oben gilt für Röstkaffee allgemein, nicht für eine einzelne Marke.

Häufige Fragen

Können geröstete Kaffeebohnen schimmeln?

Nur wenn Feuchtigkeit dazukommt. Trocken gelagert liegen sie weit unter der Wasseraktivität, die Schimmelpilze zum Wachsen brauchen. Nach dem Merkblatt der Kansas State University liegt deren Untergrenze bei etwa 0,61, unterhalb von 0,50 wächst überhaupt nichts mehr.

Ist Ochratoxin A in Kaffee ein Problem?

Der gesetzliche Höchstgehalt für gerösteten und gemahlenen Kaffee liegt bei 3,0 Mikrogramm pro Kilogramm. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fand 2022 in 63 Proben keine einzige Überschreitung, in 59 Prozent war der Stoff nicht nachweisbar. Für gesundheitliche Fragen ist die Ärztin oder der Arzt zuständig.

Kann ich Kaffee noch trinken, der muffig riecht?

Nein. Ein muffiger, erdiger Geruch ist ein Hinweis auf Verderb, und die Packung gehört in den Müll. Der Versuch, Bohnen auszusortieren oder abzuspülen, führt zu nichts.

Schimmelt Kaffee im Gefrierfach?

Im Gefrierfach selbst nicht. Das Risiko entsteht beim Herausnehmen, weil sich Kondenswasser auf den kalten Bohnen niederschlägt. Deshalb sollten aufgetaute Portionen komplett verbraucht und nicht zurückgestellt werden.

Warum riecht mein Kaffee anders, obwohl kein Schimmel zu sehen ist?

Sehr wahrscheinlich ist er ranzig, nicht verschimmelt. Ranzigkeit entsteht durch Oxidation der Fette in der Bohne und ist unsichtbar. Sie schmeckt flach und pappig, nicht muffig.

Wenn du wissen willst, wie ein Kaffee aussieht und riecht, der sauber verarbeitet und frisch geröstet ist: Arhuaco Native Coffee kommt gewaschen aufbereitet und sonnengetrocknet aus der Sierra Nevada de Santa Marta und wird in Deutschland medium geröstet. Ganze Bohne, in 250 g und 500 g.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Kelly Getty und Rashmi Gaikwad, Kansas State University Research and Extension (September 2024): Water Activity of Foods, Food Safety Fact Sheet MF3674. Untergrenze für Schimmel und Hefen bei etwa 0,61 Wasseraktivität, trockenheitsverträgliche Arten 0,65 bis 0,75, kein mikrobielles Wachstum bei 0,50 und darunter
  • European Coffee Federation: Guidelines for the prevention of OTA occurrence in Coffee. Feuchtegehalt von 8 bis 12,5 Prozent für sicher gelagerten Rohkaffee, Feuchtigkeit als wichtigster Risikofaktor nach der ersten Verarbeitungsstufe, Abbau von Ochratoxin A um 70 bis über 90 Prozent bei Temperaturen über 180 Grad
  • Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln: 3,0 Mikrogramm Ochratoxin A pro Kilogramm für gerösteten und gemahlenen Kaffee, gültig seit Januar 2023
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Untersuchung 2022: 63 Kaffeeproben, davon 26 Röstkaffee, 19 Pads und Kapseln, 18 löslicher Kaffee; in 59 Prozent kein Nachweis, keine Überschreitung des Höchstgehalts
  • Emma Sage, Specialty Coffee Association: What is the Shelf Life of Roasted Coffee? A Literature Review on Coffee Staling. Zu Ranzigkeit durch Lipidabbau und zur Rolle von Sauerstoff